„Ich bin heilfroh, dass du dich die vergangenen drei Wochen so tapfer, vor allem allein, durchgeschlagen hast! Und glaub mir doch endlich, das habe ich dir doch bereits vor einigen Stunden gesagt, ich bin schon morgen Abend bei dir und dann erwägen wir gemeinsam die weitere taktische Vorgehensweise.“
Mit wem telefonierte Adrian? Vielleicht war es diejenige Person, die auf seine Tauchschule und seine Wohnung achtgab? Aber was sollte ‚weitere taktische Vorgehensweise‘ bedeuten? Etwa, wie die Verkäufe vonstattengehen sollten?
Die Stimme meines Freundes ertönte erneut aus der Küche, in die ich gerade eintreten wollte. „Bleib jetzt bitte ruhig! Und ja, mein Schatz, ich liebe dich auch!“
Ich blieb unvermittelt mit der rechten Hand auf der Türklinke stehen. Mein Herz pochte unwillkürlich stärker und ein leichtes Zittern überkam mich. ‚Mein Schatz‘ und ‚ich liebe dich auch‘ sollten doch für mich bestimmt sein, aber ich war nicht bei ihm und er sprach nicht mit mir. Aber mit wem dann?
Energisch schritt ich in den Raum und funkelte Adrian an, der sich meiner Meinung nach wie auf frischer Tat ertappt benahm.
„Du, ich muss jetzt dringend auflegen, also, bis dann!“
„Wegen mir musst du bestimmt nicht dringend dein wichtiges Telefonat beenden!“, sprach ich kalt.
„Ach, mein Liebling, dieses Gespräch mit meiner Schwester war nicht so bedeutend“, erzählte mir Adrian süß – zu süß! „Ich habe sie nur gebeten, mich morgen in der Nacht vom Flugplatz abzuholen.“ Seine Stimme war eigenartig hoch und seine angespannte Körperhaltung gefiel mir überhaupt nicht.
„Also fliegst du morgen in der Früh nach Tobago“, schlussfolgerte ich monoton und ging nicht weiter auf das Telefonat und Adrians Befinden ein, denn die hatten sich für mich augenblicklich mit dem nun tatsächlichen morgigen Abflug meines Freundes in den Hintergrund geschoben.
„Um zehn Uhr“, bestätigte Adrian zaghaft.
„Morgen, zehn Uhr!“, wiederholte ich schrill. Ich kratzte mich nervös hinter meinem rechten Ohrläppchen. Denn das hieß auch, dass wir nicht mehr viel Zeit füreinander hatten.
„Aber ich komme doch so schnell wie nur möglich wieder zu dir und Adriana zurück, Ehrenwort!“, lenkte mein Freund gefühlvoll ein und legte sein Handy auf das Tischchen neben sich.